EPIGENETIK
Ich setze mich in dieser Serie mit den wendischen Wurzeln meiner Familie auseinander, auch um
die Wahrscheinlichkeit aufzuzeigen, dass so ziemlich jeder einen Migrationshintergrund hat, im
siebenten Jahrhundert war beispielsweise ein Drittel des heutigen Deutschlands von slawischen
Stämmen besiedelt. Während der NS-Zeit wurden viele wendische Familientraditionen und
Hintergründe vertuscht, um der faschistischen Gefahr zu entgehen. Zur Zeit der DDR geschah
keine wirkliche Aufarbeitung, denn das System sollte jeglichen Raum einnehmen. Allein der
Spreewald als eine Art “Disneyland der Sorben” wurde als Ausflugsziel aufrechterhalten, das
Wendische als Niedersorbisch eingegliedert. So blicke ich heute in meiner geographischen
Umgebung der Niederlausitz in ein monokulturelles Umfeld ohne ein Bewußtsein für die einstige
Kultur, für Mythen, Traumata und Wurzeln. Vielleicht ein Grund für die egoistische Haltung so
vieler Ortsansässiger.
Die Epigenetik, jenes Erbgut, welches nicht über die DNA weitergegeben wird, Traumata,
Umwelteinflüsse, Urängste aber auch positive Erfahrungen, welche über Generationen vererbt
werden. In der Fauna konnte nachgewiesen werden, dass ein Frischling die Angst vor dem
Schuss seit der Geburt in sich trägt, also nicht von der Bache dazu erzogen wurde.
Die Epigenetik, vielleicht kann man sie auch als emotionale, persönliche Evolution beschreiben.


